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HARRYY
Eugen Roth
MAI 1992
Ein ganz normaler Sonntag den halben Tag verpennt müde rumgehangen
um 22 Uhr fängt ausnahmsweise die Nachtschicht an. Im Kalender steht
gestern war eine Fete´ bei Thomas wahrscheinlich Claudias Geburtstag.
Weiß auch nicht ob ich bei Mutter war es ist nämlich Muttertag.
Kann nicht sein hab mich schon lange nicht mehr zu hause sehen lassen irgendein
Streit wegen einem meiner Brüder bestimmt wegen Ingo und seiner Schulden.
Fühle mich schon seit längerem sehr müde schlafe viel und
versuche um die Nachtschicht herumzukommen. Entschließe mich gegen
20 Uhr trotz Bedenken morgen zum Arzt zu gehen habe schon seit 2 Wochen
leichte Schmerzen und kleine Pickel auf dem rechten Schulterblatt könnte
Gürtelrose sein. Chef ist nicht zu erreichen rufe zu guter letzt Kollege
Axel an und entschuldige mich.
Um 8 Uhr beim Krausbauer: „Na was gibt´s ?“
„Hab wohl eine Gürtelrose, war auch nicht zur Nachtschicht“
„Mach dich mal frei“ „Scheiß, ist ne Gürtelrose, gib Dir
Salbe und schreib dich krank“
Kommt mir eigentlich gut Gelegen, kann ich mich ein wenig erholen.
Sag in der Firma bescheid hab ja jetzt auch die gelbe Legitimation. Die
Krankmeldung kann Helga morgen mitnehmen.
Am Donnerstag 7 Uhr Blutabnahme beim Krausbauer. Die Venen in
der Armbeuge sind noch jungfräulich. Schöner sonniger Tag sitzen
auf der Terrasse mit Schwiegermutter. 19 Uhr Telefon Praxis Dr.Krausbauer
„Sie müßen morgen früh nochmal zur Blutentnahme kommen,
es sind Probleme aufgetaucht“. Wir wundern uns über den späten
Anruf.
„Das die solange arbeiten, vielleicht hat das Labor mit meinem Blut
einen Fehler gemacht“.
„Um sicher zu gehen nehmen wir nochmal Blut; im Blutbild waren
un-gewöhnlich hohe Werte“. Montag Termin beim Doc.
„Auch die zweite Blutuntersuchung zeigt 20.000 Leukozyten“. Zur
genaueren Bestimmung Ultraschall und Termin bei Doctor Planker im Städtischen.
Sonnige Tage im Mai hab im Lexikon unter Leukämie nachgelesen kann
nicht viel damit Anfangen. Außerdem werd ich ja wohl keine Leukämie
haben der Doctor ist ernst und seltsam.
Die Ultraschalluntersuchung beim Dr.Krausbauer ergibt eine kleine Vergrößerung
der Milz. Keinen Verdacht Unruhe.
Bin jetzt 2 Wochen krankgeschrieben wird immer mysteriöser alles.
Termin
im Krankenhaus. Dr. Planker nimmt sich Zeit läßt sich nicht
stören. Die selben Fragen wie Dr. Krausbauer: „Haben Sie in der letzten
Zeit Müdigkeit verspürt ?“ „Ja, im nachhinein ja.“ „Haben Sie
einen großen
Entzündungsherd.“ „Nicht, daß ich wüßte.“ Nach
einer halben Stunde
gehen wir nach unten zum Ultraschall. Hier ist schon Feierabend. Der
Dr.
macht die Untersuchung. Der selbe Befund kleine Milzvergrößerung.
Dr. Planker sucht nach Entzündungsherden. Meine ständigen
Manipulationen an den Zehnägeln reichen nicht aus. Wir gehen wieder
nach oben.
„Sie haben Leukämie, es gibt unter bestimmten Voraussetzungen,
durch eine
Knochenmarktransplantation, die Möglichkeit der Heilung. Die Krankheit
hat den Schrecken der früheren Jahre verloren.“ Keine Regung der Tod.
„Haben Sie noch Fragen, ich beantworte Ihnen alles was Sie Wissen möchten.“
„Vielen Dank.“ Bin völlig im Nebel schwebe zur Telefonzelle rufe Helga
auf der Arbeit an: „Bleib ganz ruhig, ich habe Leukämie, es gibt eine
Heilungschance durch Knochenmarktransplantation.“ Habe nichts kapiert
gehe schwebe trotte bin plötzlich bei Prekel und seh mir
Autos an Scheiß. Bei Elpi seine schönsten Lieder Hermann van
Veen kaufe die CD schalte meine superschwergewichts Stereoanlage an und
heule.
Was ist los wie geht’s weiter. Endlich seit 4 Jahren im Frieden mit
mir selbst. Vom ambitionierten Jugendvertreter Schlosserlehre Jusovorsitzender
einziger Arbeiter in der Krefelder Jugendgewekschaftsbewegung auf dem zweiten
Bildungsweg in den Alkohol ohne Abschluß mit 24 überraschend
zum Zivildienst ohne Orientierung Arbeitslosigkeit Alkoholiker am Rande
der Drogenszene viele Bücher immerhin. Völlig am Ende Taxifahrer
Rettungsring Abendgymnasium nach 5 Jahren Abschluß. Helga kennengelernt
finde halt komm mit mir ins reine. Chaotenjob 650 to. Presse bei Schulz
Sprengmeister liebe Kollegen ungeliebter Schlosserjob Jugendtraum Stereoanlage
geht in Erfüllung. Umzug nach Bockum Schützenverein hübsche
Wohnung mit Terrasse. Inzwischen schon Schichtführer in der Teppichfirma
unaufhaltsamer Aufstieg Auto gekauft. Zurück in die Droge? Was macht
sagt tut Helga? Wie verhält sich der Arbeitgeber? Die Eltern.
Letzten Aufschluß gibt eine Knochenmarkpunktion erstmal bis Mitte
Juni in Urlaub Kaiserstuhl. Vielleicht doch keine Leukämie?
Helga wird mich Heiraten Tränen Zusammenhalt Hilfe Liebe Verständnis
festen Halt. Eltern: „Tante Inge war auch leukämiekrank, geht durch
Tabletten wieder weg.“ Wenden sich ab Diskussion mit Onkel und Tante über
den Kühlschränkemarkt. Fahr nach Hause: „ Helga fang mich
auf .“ Unhörbare Schreie Angst Unverständnis will nur weg Urlaub
Urlaub.
Helga hat schon mit dem Chef gesprochen werde ihn wohl aufklären.
Diese ständige Ungewißheit. Vielleicht doch keine Leukämie?
Größtes Vertrauen Entgegenkommen beim Chef Arbeitsplatz
nicht in Gefahr.
Geschäftsführer Herr Diehl macht mit seinem Sohn Axel ähnliches
durch Zauberwort Knochenmarktransplantation. Wort füllt sich immer
mehr mit Leben leben Leben warme heiße Urlaubstage in Ihringen am
schönen Kaiserstuhl.
JUNI 1992
1 x 1 des Weines Weinkeller Weine gekeltert in römischen Amphoren
hightec
Winzergenossenschaft gute Unterkunft ausgezeichnete Küche Winzer
Weißherbst Stammtisch herzliche Menschen Höllental Glottertal
Freiburg Erinnerung an Zivildienst Karl hatte Muskelschwund hier im Hotel
auf ner Muskelsitzung gewesen inzwischen selbst Antrag auf Schwerbehinderung
gestellt.
Rückreise über Vogessen Luxemburg Belgien Aachen ruhige lockere
Fahrt völlig entspannt. Helga bringt Reisetasche ins Haus Telefon
bin noch am
Auto Dr. Planker Städtische Krankenanstalten für mich Termine
Krankheit
kein Entkommen. Hatte Krankenstand gegen Urlaub getauscht war 6 Wochen
nicht mehr arbeiten Dr. Krausbauer schreibt weiter krank. Blutabnahme
Montag Knochenmarkpunktion im Städtischen Kopf ist Leer ist Voll Achterbahn
zittern in der Magengegend.
Montag 22. Juni Knochenmarkpunktion / Beckenstanze 8.00 h ausziehen
Engelshemdchen anziehen örtliche Betäubung Dr.Planker bohrt in
den rechten Beckenkamm und saugt das Mark aus dem Knochen Unterdruck Schmerzen
Zahnarzt ist angenehmer. 45 min liegen auf der Einstichstelle dann Gespräch
mit dem Dr. eine Etage höher. Wir gehen gemeinsam hoch.
„Das Ergebnis der Punktion wird die vorläufige Diagnose - CML
chronische myeloische Leukämie - 100 %ig bestätigen. Die einzige
Heilungschance, es gibt sie erst seit ca. 40 Jahren, ist eine Knochenmarkübertragung.
Durch harte Bestrahlung und durch harte Chemotherapie wird Ihr Knochenmark
getötet, daß neue wird übertragen. Voraussetzung ist allerdings
ein Spender. Haben Sie Geschwister ?“
„Zwei jüngere Brüder.“
„Im nächsten Monat werden wir ihrer Familie Eltern Brüdern
Blut entnehmen nach Essen schicken und ca. 6 Wochen späterwissen,
ob es in ihrer Familie Spender gibt. Sonst wird es ganz schwierig geeignete
Spender zu finden, ihre Lebenserwartung beträgt derzeit soweit man
es überhaupt sagen kann +/- 7 Jahre.“
SchmerzenAngstHoffnungTod suche Kontakt zur Familie. Übermorgen
Einweisung ins Städtische Interferon Behandlung tägl. Spritze
zur Senkung der Leukos im Blut. Nebenwirkungen Grippe Rheuma Gliederschmerzen.
Nach 3 Tagen schon entlassen spritze 1 Mio. Einheiten Intron A komme gut
klar kaum Nebenwirkungen. Leukozyten im Blut verringern sich.
JULI 1992
Andre´und Vater waren im Krankenhaus endlich wieder Andre´gesehen wohnt jetzt auf der Garnstraße keine Ahnung ob er momentan arbeitet oder rumhängt mach mir schon länger Sorgen um den 10 Jahre jüngeren Bruder auf jeden Fall Familie steht bereit erkennen langsam die Tiefe meiner Krankheit. Krebs Blutkrebs Leukämie.
Muß jetzt wöchentlich in die OT 1 Onkologische Tagesklinik
Blutentnahme Blutbild muß unter ständiger Kontrolle bleiben.
Venen in der Armbeuge sind inzwischen längst entjungfert.
Zwischendurch Besuche beim Hausarzt Dr. Krausbauer versuche die Fäden
in der Hand zu halten. Bisher nur freundliche und besorgte Ärzte Schwerstern
Freunde Bekannte Helga Familie Arbeitgeber übe den aufrechten Gang.
3 Wochen später. Interferon wird abgesetzt und durch Tabletten ( Litalir) ersetzt problemlos keine physischen Nebenwirkungen.
Montag der 20. die gesamte Familie Vater Mutter Ingo Andre´Treffpunkt
Eingang Städtische Krankenanstalten Blutentnahme aller in der OT.
Wenn überhaupt können nur die Geschwister spenden. Vaters und
Mutters Blut wird gebraucht um den Stammbaum des Gewebes zu ermitteln.
Findet sich ein Spender ?
Befund der Knochenmarkpunktion CML.
Berichte über KMT Carreras hat Spender sterbende Kinder ohne Spender.
Gerüchte Panik Hoffen gehe morgen wieder arbeiten Ablenkung vermeide
Antrag auf Krankengeld. Lästige Bürokratie Ordner zur Verwaltung
meiner deiner seiner Krankheit angelegt. Arbeitszeit Tagschicht 8.00 -
16.00 h kann kommen und gehen wie ich will rückhaltloses Vertrauen.
Emotionen Gespräche mit Geschäftsführer Diehl Sohn Axel ist auf Odyssee Kliniken zur Vorbereitung auf KMT in Düsseldorf. Unendliches Leid aggressive Krankheit Knochenmarkskrebs oder Knochenkrebs. Gehen den selben Weg. In mir zwiespältiges Gefühl Konfrontation Ich / Axel. Schreibe zur Zeit aus seinem Sterbezimmer ME 7 in Düsseldorf.
AUGUST 1992
Gut eingestellt mit Litalir wöchentliche Blutkontrolle. Konstruiere
Plane ein Geflecht nenne es Alltag Verdrängung. Immer noch kein Ergebnis
aus Essen immer noch keinen Spender.
Freitag 21. August Hochzeit. Eltern Schützen stehen Spalier Schwiegermutter
Freunde. Helga ist meine Frau. Kleine Feier bei Freunden mit Trauzeugen.
Helgas Tochter Regine mit Ehemann Michael kristallisieren langsam zum psychologischen Phänomen. Harte Auseinandersetzungen behaupten ihre Paranoier sei bedrohlicher als für mich die Leukämie Grauenvoll wollen immer nur Geld schmerzhafte Konsequenz Trennung. Tiefe Narben auf der Seele.
SEPTEMBER 1992
Amtliche Bestätigung 60 % schwerbehindert bis 09.´93. Medizinisches
Wunder beide meiner Brüder können spenden.
Mathematisch logisch kühl Entscheidung für den 10 Jahre jüngeren
Andre´. Entscheidung fällt aus dem Bauch Kopf nur Hilfestellung.
Andre´ist zur Zeit Hausmeister in der Königsburg und trocken.
Streß baut sich auf erstmals Antrag auf Krankengeld 3 Antragsseiten
der Mensch als Akt der Bürokratie. Fast schon unanständig.
28. September 1992 Vorstellungstermin Vater Mutter Ingo Andre´
Helga und ich in Essen Professor Schneider Knochenmarktransplantationsstation.
Gnadenlose Aufklärung. Erfahren in 1 stündigem Horrorszenarium
die Bedeutung des Wortes Knochenmarktransplantation ( KMT ).
Problem: die Blutbildung im Knochenmark ist gestört. Außer
KMT keine Heilung nur Verzögerung Lebenserwartung mit + / - 7 Jahren
recht hoch geschätzt also KMT um vielleicht 2 - 3 Jahrzehnte rauszuholen.
KMT gibt es erst seit 40 Jahren basiert hauptsächlich auf den
Erkenntnissen von Hirochima und Nagasagie. Es bläst mich buchstäblich
vom Stuhl halbwegs überzeugter Pazifist 100 % Atomkraftgegner braucht
den atomaren Schlagabtausch zum Überleben. Jedes Wort ein Todesurteil.
Durch Strahlen und Chemotherapie lebensunfähig gemacht wird Andre´s
Knochenmark mich vor dem Tode retten. Mein Immunsystem wird vollständig
zusammenbrechen deshalb 2 Monate in einer absolut Keimfreien Zelle aufgebahrt.
Heilungschance 60 % Überlebenschance 80 % Todeschance Rezitiv bleibende
Schäden durch Nebenwirkungen ( z.B. : Hautkrebs ) 20 %.
Keine Mathematik keine Statistik wende mich ab Gefühle der
Bauch pocht metaphysische religiöse Fragen kein Gottvertrauen. Wer
baute das siebentorige Theben eines Lesenden Arbeiters.
Berthold Brecht
Mathe und Physik werden mich töten wer oder was wird mich wieder
auf den Plan rufen die Medizin ? 30 seitiges Merkheft für Zuhause
Wartezeit für CML - Patienten 1 Jahr andere KMT - Zentren fragen habe
Vertrauen zu Essen gefaßt. In Seattle weltweit führendes KMT
- Zentrum. Vor dem ersten Gespräch sind schon 30.000 Dollar notwendig
nur geeignet für Leidensgenosse Carreras hab nicht genug Schmalz in
der Stimme im Portomomai.
Schweigende Rückfahrt Mahlzeit beim Griechen. Alle sind geschockt
Eltern Brüder begreifen endlich die Tragweite der Krankheit. Tränen.
Die Beziehung zwischen Helga und mir wird tiefer.
OKTOBER 1992
1 Jahr Wartezeit könnte schon zu lange sein aus der CML könnte
sich eine akute Leukämie entwickeln und die Heilungschance weiter
drosseln.
22. Oktober Vorstellung in den Düsseldorfer Uni - Kliniken. Alle
medizinischen Voraussetzungen bisher optimal.
Seit dem 6. Oktober wieder auf Arbeit knallharter Alltag auf und nieder.
Düsseldorf MNR - Klinik immer mehr Parallelen zu Axel Diehl. Krankenhausmaschine
finden KMT - Ambulanz erst nach langem suchen. Kein Gespräch Schwester
Brigitte kommt direkt mit zwei Überweisungen Voruntersuchungen. Helga
muß zur Anmeldung heilige Verwaltung keinen Überweisungsschein
dabei Chaos Angst Ungewißheit völlige Überraschung. Nach
unendlichem hin und her Gespräch mit Oberarzt Dr. Heyll ähnlich
wie in Essen nur in Kurzform voraussichtlicher Termin der KMT in 3 Monaten
spätestens Ende Januar vielleicht schon vor Weihnachten.
Andre´ ist weg abgetaucht Alkohol auf der Rolle Job geschmissen
finde keinen Kontakt. Kein Knochenmark ich sterbe.
Schwiegermutter ist voller Krebs 2 Jahre zu spät zum Arzt sofortige
Brustamputation Krebs steht vor dem aufbrechen. Psychose von Regine und
Michael erhärtet sich Eltern stehen hilflos rum. Bruder Ingo hilft
nicht keinen Verstand kennt nur Äußerlichkeiten kein Gefühl.
Krausbauer auf dem Laufenden halten.
Schicksal an den Hörnern packen.
NOVEMBER 1992
Inzwischen hat die Düsseldorfer Uni Klinik die medizinische Kontrolle
übernommen ständige Fahrten zur KMT - Ambulanz wieder krankgeschrieben
Voruntersuchungen für mich und Andre´.
Andre´ hatte sich nach Wochen wieder beim Vater gemeldet ist
auf den Vorschlag für die Zeit der Behandlung bei Helga und mir einzuziehen
eingegangen. Freudensprung Erleichterung.
Extremen Ärger mit der AOK Interessen mit der Brechstange durchgesetzt.
23. - 30. November Resturlaub. Furchterregende Kaltschnäuzigkeit der
Ämter.
Nur nicht die Fäden aus der Hand geben.
DEZEMBER 1992
Ab sofort keine Arbeit mehr. Volle Konzentration auf KMT wie ein Hochleistungssportler Psychologie. Von Anfang an Vertrauen in die Ärzte Verwaltung Verbindungen zurück zu den Ärzten regle ich. Heilung gebe ich mit hohem Respekt in die Hände der Ärzte und Pfleger. Die Medizin muß mich heilen von der Leukämie befreien.
Axel Diehl persönlich kennengelernt mutig intelligent etwas jugendlich
direkten Verständigungsweg wird vor Weihnachten in die KMT - Station
eingeschleust.
Helga und ich fahren zum Tegernsee G´schwandlerhof märchenhaft
München Bad Tölz Deutsches Museum klirrende Kälte bloß
jetzt nicht Erkälten KMT im Januar könnte gefährdet sein.
Völlige Anspannung keine Zeit es muß endlich losgehen.
Schwiegermutter inzwischen Pflegefall verkraftet die Bestrahlungen nicht.
Eigene Bestrahlung entwickelt sich zum Hauptthema werde Ganzkörperbestrahlt
Exitus Atomkrieg Holocaust Vernichtung.
JANUAR 1993
Keine Neujahrsvorsätze. Völlig Fertig KMT wird auf Februar verschoben großer Einführungstermin am 4. Februar mit Familie. Beschäftige mich mit Modelleisenbahn. Kaufe Konsumiere brauche kein Geld ständiger Nerv mit der AOK. Alle Voraussetzungen optimal unendliches Warten Ablenken Alltag Ärzte Warten Warten keine Zeit.
Erste Nebenwirkungen bei Axel Diehl Schleimhäute lösen sich ab kann nicht mehr schlucken kotzt Ampho aus Tabletten werden aufgelöst in den Rachen gespritzt Schlucken nur unter großen Schmerzen. Hoffentlich geht es bald bei mir los.
Donnerstag Bekanntgabe des endgültigen Termins.
FEBRUAR 1993
Nebel Glatteis Kälte 3 Stunden Fahrt nach Düsseldorf. Gesamte
Familie 6 Personen warten auf dem Flur. K.O. Schlag. Termin wird verschoben.
„ Warum sind Sie alle hier ? Die KMT ist auf April Ostern verschoben“.
Nervenzusammenbruch bei Helga legt sich mit Stationsarzt an. Weint
Heult Fleht Flucht Oberarzt sachlich erklärend. Kapiere nur Pfennigweise.
Schnauze voll drei Mal verschoben bleibt es bei Ostern ? Wie lange hält
sich das stabile Niveau der Leukämie ?
Hilferufe Dr. Krausbauer Dr. Planker versuchen mich in Essen unterzukriegen Liste für CML - Kranke in Essen geschlossen keine Chance keinen Trost keine Hilfe.
Warten Modelleisenbahn Alltag Zittern.
Stationsarzt in Düsseldorf fühlt sich nach Anruf aus Krefeld hintergangen. Gespräch am Ende beiderseitiges Entschuldigen Zusage zu 80 % KMT im April Anfang April Ostern.
Neuer Anlauf Motivation Kraft Vertrauenssuche zu den Ärzten. Turnungsmäßiger Wechsel der Ärzte in Düsseldorf steht bevor neue Hoffnung.
Keine Horrormeldungen von Axel Diehl alles Normal Alltag Wahnsinn.
Verschone mich mit genauen Informationen will möglichst Unbefangen
Frei in die Strahlenkammer sterile Einheit Einzelhaft.
Zeit schleicht entnervt scheiß Termin dreimal verschoben. So caotisch
die KMT - Ambulanz ist so effektiv soll die KMT - Station arbeiten.
Nur noch Warten. Nur die KMT kommt. Kein Entrinnen bleibt die
Leukämie stabil ? Faustregel 1 Jahr nach Erkenntnis der CML sollte
die KMT erfolgen.
Noch im Zeitplan
MÄRZ 1993
Gemeinsam mit Axel Diehl im Behandlungszimmer der Ambulanz kommt schon mit dem Rad ungestüm blutet aus der Nase. Hoffentlich vertrage ich die KMT auch so gut.
Donnerstag 25. März Termin auf ME 7 bekomme einen Katheder sogenannten Hickman in der Chirurgie unter Vollnarkose. Kleiner Eingriff wird von den Chirurgen zwischendurch erledigt. 36 Stunden Wartezeit Chirurgie völlig Überlastet. Zappeln Fluchen Horror Leben besteht nur noch aus Warten. Ohne Komplikationen am Sonntag nach Hause jetzt bloß keine Infektion. KMT am 13. April geplant. Einschleusung am Montag den 5. April.
36. Geburtstag Dienstag der 29. März Begegnung der dritten Art
Aufnahmegespräch mit Eltern Helga und Andre´ in der KMT - Station.
Besichtigung der Station Einweisung Erklärungen durch Schwester
Doro.
Station ist hermetisch abgeschlossen Eingang erfolgte nach Eingabe
eines Kodes an der Eingangstür danach eine Schleuse in der sterile
Kleidung angezogen werden muß. Übergang in die Stationsräume
erst nach Anweisung. Schuhe dürfen nur hinter dem roten Strich angezogen
werden.
Wir betreten ein leeres Krankenzimmer. Kleiner Vorraum mit Schränken
jede Menge Halterungen für medizinisches Gerät. Dann eine durchsichtige
Plastikwand in der lange Gummihandschuhe eingelassen sind. Dahinter das
Bett ein Stuhl ein Tisch ein Nachttisch ein großes Fenster vielleicht
4 qm raum sterile Einheit. Eine Dusche mit Toilette schließt sich
an. Dieser Bereich wird durch spezielle Belüftung und extreme Sauberkeit
keimfrei gehalten ein roter Strich an einem türgroßen Eingang
zeigt die Grenze Steril / Unsteril. Wenn ich am 5. April diese rote Markierung
überschritten habe darf ich diese 4 qm nicht mehr verlassen.
Alles wer oder was zu mir kommt muß vorher doppelt sterilisiert werden.
Der Hickman wird zur Nabelschnur viele Medikamente die Ernährung
das Knochenmark werden mir von jenseits der Plastikwand über Schlauchsysteme
in den Katheder gepumpt werden.
Stationsarzt Minnig OA Heyll Ambulanzarzt Dr. Wolf klären uns nochmals
über alle nur erdenklichen Risiken auf.
6 seitiges Formular eng beschrieben für zu Hause muß unterschrieben
werden.
Andre´ wird Ostermontag auf ME 10 aufgenommen werden. Dienstags wird die Knochenmarksentnahme anschließend die Übertragung sein.
Ende März unterschreibe mein Todesurteil und verfasse ein erstes Testament.
APRIL 1993
Abschied von Helga Vater und Andre´ fahren mich nach D´dorf Persönlichkeitsveränderung kann beginnen Flugzeuge Wackersteine im Bauch Wasser in den Augen. In der Cafeteria Tasse Kaffee und Zigarette. Bis zum Schluß nicht geschafft das Rauchen aufzugeben trete vor der KMT - Station die letzte Zigarette aus der letzte Cowboy. Der Nikotin wird mir das Leben kosten.
5. April Einschleußung mit Schwester Rita. Klamotten ausziehen über den roten Strich ins sterile schreiten duschen desinfizieren höchste Sauberkeitsstufe peinlichst genau. Neue Sachen annehmen doppelt steril Verpackt Schwester Rita im unsterilen Vorraum öffnet die erste Verpackung ich im sterilen öffne die zweite Verpackung alles was benötigt wird muß derart geschleust zu mir kommen. Morgen die erste Bestrahlung Angst.
Frühstück furchtbar Brötchen ¾ h auf über
100° C sterilisiert ungenießbar Kaffee löslich einzeln Verpackt
und heißes Wasser geht.
Vorher morgendliche Körperpflege penibel erst mit Desinfektionsmittel
gewaschen dann eingecremt Hautfalten mit Betaisodonna einstreichen. Besonders
wichtig Mundpflege Wattestäbchen in verschiedene Tinkturen getaucht
Mundraum Zähne bestreichen mehrmals täglich.
Unmenge von Tabletten.
Alles die Haut der Darm werden sterilisiert der kleinste Pilz die kleinste
Bakterie würde mich umbringen.
Jeden Morgen erneuter Anschluß über eine Spirale an meinen
Katheder nach draußen an die Pumpen jeden Morgen neues Bettzeug jeden
Morgen ein einstündiger Aufwand nur um die Dinge steril zu mir zu
bringen. Der Boden ist tabu alles was fällt ist für mich unbrauchbar
vermummte Putzfrau putz fast eine Stunde auf 4 qm jeden morgen.
Mittags 14 h fertigmachen zur Bestrahlung. Weißen Papieroveroll
mit Kapuze anziehen Mundschutz umbinden Valium einnehmen cool bleiben jetzt
in den unsterilen Bereich Liege mit durchsichtigem Plastickzelt Notarztkoffer
steht bereit. Doktor Minnig schiebt mich durch die Tiefgarage in die MNR
- Klinik Strahlenthreapie. R wie Radiologie. ¾ h in Rückenlage
bewege mich nicht liege auf einer Liege direkt auf dem Boden Liege bewegt
sich. Geräusche komme mir vor wie Spock Raumschiff Enterprise. ¾
h in Bauchlage Ganzkörperbestrahlung.
Dr. Minnig :“Na, wie geht´s ?“
„Zurück zur Basis Scottie.“ Lustig.
Noch dreimal diese Prozedur. Warten auf die Nebenwirkungen.
Familie ist da kommen jetzt täglich stehen sitzen vor der Plastikwand
Helga kommt schonmal ans Bett nachdem sie doppelt sterile Chirurgenkittel
Chirurgenhaube Chirurgenhandschuhe angelegt hat.
Besucher kommen von außen an die große Scheibe Kommunikation
mittels Sprechanlage und Telefon habe lieber meine Ruhe Zettel von Axel
Diehl - Bitte nicht stören Axel - hängt noch war im selben Zimmer
bin sein Nachfolger.
Wie soll das nur alles funktionieren versuche zu lesen Krimis Söhwal
Wahlöö keine Lust kann nicht lesen nicht hören nicht sprechen.
Die Körperpflege Mundpflege ist das non plus Ultra. Angeschlossen
an die
4 m lange Spirale reicht bis zur Toilette Urin wird im Zylinder gemessen
Kot wird gewogen beides wird täglich untersucht.
Tolle Pfleger tolle Ärzte liebevolle Eltern besorgte Helga gespannter Andre´.
Karfreitag letzte Bestrahlung. Samstag keine Behandlung.
Ostersonntag - Ostermontag schwere Chemotherapie. Verkrafte alles recht
gut keine Nebenwirkungen nicht mehr lebensfähig.
Dienstag 13. April Knochenmartransplantation Knochenmark kommt Mittags wird
wie eine Blutkonserve von jenseits der Plastikwand durch den Katheder gepumpt.
Helga ist ans Bett gekommen. Das Mark läuft in meimen Körper wir heulen
aus Freude aus Angst denke nur an Andre´.
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